Yamaha NP-V60 Keyboard im Test

Bei den bisher getesteten Keyboards war jedes Modell sein Geld wert. Jedoch war ein klarer Fokus auf bestimmte Zielgruppen auch im Hinblick auf integrierte Lernsysteme eindeutig erkennbar: das bisherige Testmodell Yamaha PSR-E433 bot einzigartige DJ Patterns Funktionen und viele Möglichkeiten für Experimentierfreudige, das Yamaha EZ-220 bot für Einsteiger ohne Notenkenntnisse eine wichtige Stütze beim Nachspielen von beleuchteten Tasten und das Yamaha PSR-F50 war ein schlichtes Modell ohne viel Schnickschnack für die Kinder. Viele Standardmodelle hatten 61Tasten, was für ein Einsteiger-Keyboard aber völlig ausreichend ist, wenn man keine zu hohen Ansprüche hatte. Ausnahmen im niedrigen Preissegement sind die Digitalpianos, die den authentischen Klang eines Klaviers nachempfinden. Einer der großen Nachteile war aber, dass aufgrund der fehlenden Displays und Lernsysteme die Instrumente nur bedingt für den Anfänger geeignet waren, wenn sie noch keine Noten lesen können.

Mit dem Yamaha NP-V60 gibt es auf dem Markt ein interessantes Keyboard, das auf den ersten Blick wie ein Mix aus Digitalpiano und Keyboard einem ins Auge sticht. Für ein Instrument mit 76 Tasten war der Funktionsumfang in dieser Preisklasse eher spärlich und bei einem Neupreis von rund 300 Euro nimmt man sich so ein Modell mal gerne genauer unter die Lupe, das schon seit 2010 auf dem Markt ist.

Allgemeine Infos zum Yamaha NP-V60

Erster optischer Eindruck

Yamaha NP-V60
Das Yamaha NP-V60 ist ein typisches Piaggero Keyboard, eine Kombination aus Digitalpiano und Keyboard mit allen wichtigen Funktionen für den perfekten Einstieg in die Musik!

Schwarz und Weiß sind die Grundfarben des Piaggero Modells, also der Kombination aus Piano und „leggero“ (leicht). Designtechnisch ist es in meinen Augen schlicht und einfach gehalten, ohne mit einer Vielzahl an Knöpfen zu prahlen. Auch sorgen keine ausgefallenen Optik-Eigenschaften für Ablenkung. Für einen Einsteiger ist eine simple, überschaubare Funktionsübersicht hilfreich für die erste Orientierung und hier wird nicht mit wirren, komplexen Funktionen herumgespielt.

Yamaha NP-V60 Display

Das Display ist schön beleuchtet und bietet trotz der kleinen Darstellungen der Notenblätter und der Klaviatur ein klar erkennbares Bild! Gerne können bei künftigen Digitalpianos mit gewichteten Tasten ein Display integriert werden. Technisch wäre das auf jeden Fall möglich! Ein wenig störend finde ich den einheitlichen Look aus schwarzen Knöpfen auf dem schwarzen Gehäuse: die sind zwar beschriftet, lassen sich beim Spielen aber mit dem schnellen Auge sehr leicht übersehen.

Aber der erste grobe Eindruck ist auf jeden Fall positiv!

Technik und Qualität des Keyboards

Quantität gleich Qualität? Nach den bisherigen Tests geht diese Rechnung nur bedingt auf. Ein teures Keyboard kann hunderte von Styles haben. Das nützt mir aber alles nichts, wenn man vom Klang nicht überzeugt ist. Und das Yamaha NP-V60 bietet im Funktionsumfang eine breite Variabilität an Möglichkeiten. Die 76 anschlagdynamischen Tasten sind geprägt von einer Graded Soft Touch Tastatur! Hier sind die tieferen Tasten schwerer als die leichten zu spielen. Einer klavierorientierten Hammermechanik kommt diese Konstruktion natürlich nicht nah. Dafür sind die Tasten bei normalen Standardtönen zu elektronisch und der Ton verschwindet im Nu nach dem Loslassen der Taste. Das ist aber generell ein Problem bei Keyboards und ich habe gehofft, mit dem Yamaha NP-V60 ein  Ausnahme-Modell zu entdecken, ist aber in seiner Klangfarbe keine große Besonderheit, sondern stellt eher Standard dar. Mit der passenden Eisntellung klingen die Töne aber wundervoll in den Ohren.

Ein kleines Beispiel mit der Dual-Funktion gefällig? Hier im Video von TransCanadianRocker erhaltet ihr einen ersten Eindruck vom Klang:

Ansonsten können sich die vielfältigen Merkmalseigenschaften sehen lassen: es gibt knapp 500 Klangfarben und 160 Styles – das ist von der Quantität her geringer als bei den Yamaha PSR-Modellen in der oberen Preisklasse, ist aber für ein Piaggero Keyboard dieser Art aber mehr als ausreichend! Das Keyboard kommt bei 76 Tasten lediglich mit einer 32-stimmigen Polyphonie aus. Bei speziellen Musikgenres wie Klassik stößt man dabei schon arg an die Grenzen. Aber wie schon öfters angedeutet, sollen hier nur Einsteiger-Modelle beleuchtet werden und das NP-V60 zeigt in einem Funktionsumfang schon ordentlich seine Muskeln. Klangtöne und gewichtete Tasten könnten bei neueren Modellen dieser Art noch weiter ausgebaut und verfeinert werden. Aber bei der Marke Yamaha sind technische Innovationen schon immer an der Tagesordnung!

Kurzum gesagt: ein elektronisches Ersatz-Klavier stellt das Yamaha NP-V60 nicht dar, zeigt aber einen ordentlichen Funktionsumfang!

Anschlüsse

Yamaha NP-V60 Anschlüsse

Eine hohe Komplexität bei den Anschlüssen wird keinesfalls gegeben sein, wenn man sich nur die Rückseite vom Keyboard ansieht. Das Piaggero Keyboard weist mit den Anschlüssen USB to Host, Kopfhörer/Line, einem Anschluss für Sustain pedal und dem Netzanschluss für die Steckdose die wichtigsten Anschlüsse an. Wie nicht anders bei einem sechs Jahre alten Keyboard zu erwarten, sind natürlich die technischen Voraussetzungen wie für den kabellosen Netzwerkanschluss, wie beispielsweise bei Yamahas MusicCast Produkten oder beim problemlosen Anstöpseln von mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets, natürlich eingeschränkt. Für Beginner und Neueinsteiger wird das aber kein Grund sein, einen Bogen um das Modell zu machen. Dafür sind die technischen Voraussetzungen bei diesem Preis ideal für den Einstieg in die Musikwelt!

Größe und Umfang

Mit Abmessungen von 1228 mm x 111 mm x 312 mm (BxHxT) und einem Gewicht von 6,3 kg wird das Yamaha NP-V60 seinem Ruf als Piaggero gerecht und kann überall mittransportiert und problemlos getragen werden. Achten solltet ihr aber trotzdem auf den beanspruchten Raum. Zum Vergleich: das Digitalpiano P-455b hat mit 88 Tasten und 11,5kg ein fast doppelt so schweres Gewicht, obwohl die Funktionen eines Keyboards in dieser Form nicht so integriert sind!

Lernfunktionen für Einsteiger und Anfänger

Was wäre ein Piaggero Keyboard mit Display und vielen Funktionen wert, wenn die Lerntutorialsysteme nicht integriert sind. Die Verknüpfung von Display, technischen Funktionen und verschiedenen Klangfarben lässt den Einsteiger in eine vielfältige Welt des Keyboards eintauchen, bei der er seine Experimentierfreude auch ausleben kann.

  • Das Yamaha NP-V60 orientiert sich am bislang etablierten Y.E.S Lernsystem (Listening, Timing, Waiting). Mit den technischen Gegebenheiten kann sich der Spieler auf die verschiedenen Unterstützungshilfen beim Spielen sowie bei passender Begleitung der Musik das Feingefühl für Rhythmus, Tempo und Lautstärke der Musik verinnerlichen.
  • Erforschen der Klangwelt und Kompositionen abspeichern: mithilfe der Dual-Funktion lassen sich Klangfarben übereinanderlegen. Dadurch entstehen mehrere Klangfarben, die über den internen Rekorder aufgenommen und abgespeichert werden. Zwar ist die Zahl der Songs, die man aufnehmen kann, gering. Doch als wertvolles Feedbacksystem sollte ein Anfänger diese Option nicht außer Auge lassen.

Fazit

Yamaha NP-V60 Tasten

Vielversprechendes Modell: umfangreiche Funktionen, 76 Tasten zur Abdeckung einer breiten Variation an Klangfarbe, sehr leichtes Gewicht und halbgewichtete Töne. Für einen reduzierten Preis von rund 300 Euro  kann sich das Yamaha NP-V60 sehen lassen. Allerdings sind Schwächen in der Klangqualität und an der Qualitätsbeschaffenheit der künstlich-mechanischen Klaviatur ausgemacht! Pianisten werden das Keyboard nicht als Klavierersatz ansehen! Doch die Möglichkeiten eines Piaggero sind durchaus beeindruckend und man darf auf die neuesten Versionen dieser Modelle gespannt sein, die Yamaha in Zukunft ganz sicher noch rausbringt. Es sind zwar einige technische Mängel vorhanden, doch das Instrument bietet viele Optionen und ist auch für Anfänger eine willkommene Abwechslung. Deswegen folgende Bewertung:

Note 2+